Warum du manchmal mehr arbeitest als dein Klient – und was wirklich dahinter steckt

Vielleicht kennst du dieses Gefühl aus deinen Klientengesprächen.

Du gibst dir Mühe.
Du denkst mit.
Du bringst Ideen ein.

Und trotzdem entsteht dieses merkwürdige Gefühl:

Ich arbeite gerade mehr als mein Klient.

Die Sitzung fühlt sich zäh an.
Du versuchst noch mehr anzubieten – und gleichzeitig scheint dein Gegenüber innerlich immer weiter wegzugehen.

Dieses Phänomen ist für viele Menschen, die mit Menschen arbeiten, extrem frustrierend.

Wenn sich das Gespräch anfühlt wie ein Eiskunstlauf vor Wertungsrichtern

Ich benutze für solche Situationen gerne ein Bild.

Manchmal fühlt sich ein Klientengespräch an wie ein Eiskunstlauf-Wettbewerb.

Du drehst Pirouetten.
Du springst höher.
Du gibst dir immer mehr Mühe.

nd dein Gegenüber sitzt da wie ein Wertungsrichter und hält gelangweilt seine Tafeln hoch.

6,0 … vielleicht auch nur 4,0.

Also strengst du dich noch mehr an.

Noch eine Idee.
Noch ein Vorschlag.
Noch eine Perspektive.

Doch anstatt dass mehr Kontakt entsteht, passiert oft das Gegenteil:

Der Kontakt wird immer dünner.

Warum Klienten manchmal in „Widerstand“ gehen

Viele Menschen, die mit Menschen arbeiten, interpretieren dieses Verhalten als „Widerstand„.

Im NARM-Modell (Neuroaffektives Relationales Modell nach Dr. Laurence Heller) wird dieses Verhalten häufig mit dem sogenannten Autonomie-Überlebensstil in Verbindung gebracht.

Menschen mit dieser Prägung haben oft eine Geschichte, in der andere immer wussten:

  • was richtig ist
  • was besser ist
  • was sie tun sollten

Ihre eigene Stimme wurde dabei häufig übergangen.

Deshalb reagieren sie sehr empfindlich auf Ratschläge.

Selbst gut gemeinte Vorschläge können dann sofort ein inneres Signal auslösen:

„Ich werde schon wieder nicht gehört.“

Die versteckte Dynamik: Zwei Nervensysteme reagieren gleichzeitig

Das Spannende ist: Diese Dynamik betrifft nicht nur den Klienten.

Sie betrifft beide Nervensysteme im Raum.

Wenn wir als Begleitende merken, dass unser Gegenüber nicht anspringt, kann in uns selbst ebenfalls etwas aktiviert werden:

  • das Bedürfnis, gesehen zu werden
  • der Wunsch, mit unserer Kompetenz anerkannt zu werden
  • die Angst, nicht wirksam zu sein

Dann beginnen wir unbewusst, noch mehr zu arbeiten.

Wir erklären mehr.
Wir argumentieren mehr.
Wir versuchen zu überzeugen.

Und genau dadurch verstärkt sich die Dynamik.

Wenn die Energie im Gespräch nach oben schießt

Ein wichtiges Signal ist die Körperwahrnehmung.

Viele Menschen berichten, dass sie in solchen Gesprächen merken:

Die Energie steigt nach oben.

Der Kopf arbeitet schneller.
Die Gedanken überschlagen sich.

Man versucht noch eine Idee, noch eine Methode, noch einen Ansatz.

Doch genau hier liegt oft der Wendepunkt.

Der Moment, der alles verändern kann

Manchmal reicht ein einziger Schritt:

Ausatmen.

Den Körper wieder spüren.
Die Rückenlehne wahrnehmen.
Die Schwerkraft zulassen.

Kurz innehalten.

Wenn wir aus diesem inneren Zustand wieder in Kontakt gehen, entsteht oft ein ganz anderer Raum.

Nicht mehr aus Anstrengung.

Sondern aus Präsenz.

Wenn zähe Klientengespräche plötzlich leicht werden

Das Paradoxe ist:

Sobald wir aufhören, Pirouetten zu drehen, verändert sich oft die Dynamik im Gespräch.

Weil plötzlich etwas anderes möglich wird:

echter Kontakt.

Viele Gespräche, die früher unglaublich zäh waren, können dadurch überraschend lebendig werden.

Nicht weil wir mehr tun,

sondern weil wir anders im Raum sind.

Warum traumainformiertes Wissen hier so entscheidend ist

Solche Dynamiken zu verstehen, gehört für viele Menschen, die mit Menschen arbeiten, zu den größten Gamechangern.

Denn dann wird klar:

Mit mir stimmt nichts nicht.
Mit dem Klienten stimmt nichts nicht.

Hier wirken einfach Nervensystem-Dynamiken.

Genau darum geht es auch in meiner Trauma-Schule:
zu verstehen, welche Kräfte im Kontakt zwischen zwei Menschen wirken – und wie wir damit bewusst umgehen können.

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