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Unterm eigenen Radar fliegen

Aug 1, 2017 | Gehirngerecht leben, Somatic Experiencing

Mit „unterm eigenen Radar fliegen“ meine ich das Phänomen, dass man zwar innerlich weiß, dass man „es“ eigentlich kann, aber „es“ trotzdem nicht tut. Es fallen einem dauernd (gute) Gründe ein warum man noch nicht soweit ist. Und so kennt fast jeder dieses Gefühl, erst noch ein Buch … einen Tipp … ein Seminar … ein Coaching … eine Beratung … oder was auch immer zu brauchen bevor man … was auch immer in Angriff nehmen kann. Gepaart mit dem Gefühl, dass das nicht stimmt. Nur kommt man irgendwie nicht dahinter, was wirklich dahinter steckt.

Dieses Gefühl überkam mich z. B., wenn ich über das Thema Videos für die Homepage nachgedacht habe. Also habe ich mich zu einem „Digital Storytelling“-Seminar angemeldet, um diesen Knoten endlich zu lösen und die Möglichkeiten des somatischen Ansatzes im wahrsten Sinne des Wortes zeigen zu können. Bereits nach der Einführung der Seminarleiterin war mir klar: In diesem Seminar höre ich wenig bis gar nichts für mich Neues. Und so saß ich da und fragte mich:

Warum sitze ich hier wirklich?

Woher kommt dieses Gefühl von Mangel? Da ich mich im Seminar ja nicht sonderlich konzentrieren musste ? , konnte ich in aller Ruhe mein Mangel-Gefühl dekonstruieren.

Ein Gefühl, eine Wahrnehmung oder eine Empfindung dekonstruieren

Wir nehmen nie auf nur einem „Kanal“ wahr. Sehen, hören, riechen, fühlen … all das läuft parallel ab. Zwar ist meistens einer dieser Kanäle aktiver und uns damit bewusster als die anderen, aber trotzdem sammeln auch die anderen Kanäle Informationen – und speichern sie. Nur passiert all das im Alltag viel zu schnell und so verpassen wir jede Menge. Und das ist Fluch und Segen im gleichen Moment. Fluch, eben weil wir viel verpassen und Segen, weil sich unser System damit vor einer Reizüberflutung schützt. Zeit ist hier der entscheidende Faktor. Denn es braucht Zeit, alle Wahrnehmungskanäle abzuklopfen und nach und nach bewusst wahrzunehmen.

Bei dieser Dekonstruktion gibt einem das SIBAM-Modell von Peter Levine, dem Begründer des Somatic Experiencing, eine gute Orientierung. SIBAM ist ein von Peter Levine geschaffener Begriff zur Bezeichnung von Elementen, die die Gestalt unseres Erlebens ausmachen.

S = sensation / Empfinden (Erfahrungen, die im Körperinneren entstehen)
I = image / Impressionen, Sinneseindrücke die (scheinbar) von Außen kommen
B = behaviour / Verhalten (jegliches Handeln, das von Außen beobachtet werden kann)
A = affekt / Affekt, Emotion
M = meaning / Bedeutung (Versuch, eine Erfahrung zu kategorisieren oder zu interpretieren, statt sie einfach nur zu machen)

Macht man sich anhand dieser Punkte auf die Suche nach diesen bisher unbewussten Facetten der Wahrnehmung, wird man reich belohnt. Denn es passiert etwas, wie ich finde, sehr spannendes: Die Wahrnehmung dehnt sich aus und wird größer. Will heißen: Zerpflückt man eine Situation auf der Suche nach diesen 5 Punkte, kommt alles auf den Tisch. Egal aus welchen Gründen es im ersten Moment unter den Tisch gefallen ist. Der Kloß im Hals kann dann ebenso bewusst wahrgenommen werden, wie die Schmetterlinge im Bauch. Auf die Schnelle hingegen wurde der Kloß verdrängt und die Schmetterlinge in Aktion umgewandelt.

Auch merkt man dann, wie nah einige dieser Punkte zusammen liegen und wie leicht oder schwer einem andere Punkte fallen. Es kann z. B. sein, dass es zum eigenen Verhalten immer eine Bedeutung gibt (landläufig auch innerer Kritiker genannt), man aber kaum mitbekommt, was der Körper zu all dem gerade sagt.

Dieses SIBAM-Modell kann einem gute Dienste leisten, wenn es z. B. darum geht, eine Entscheidung zu treffen. Wäre ich beim Lesen der Seminarausschreibung diese SIBAM-Punkte durchgegangen und hätte mein Mangel-Gefühl dekonstruiert, hätte ich Geld und Lebenszeit sparen können. Und so kam mir leider erst im Seminar die Erkenntnis warum ich mal wieder meinte, unter meinem eigenen Radar fliegen zu müssen.

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