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Es kann nicht nur einen geben

Apr 10, 2017 | Bedürfnisse, Gehirngerecht leben

Die letzten Wochen würde ich, vorsichtig formuliert, als turbulent bezeichnen. Der März hatte es wirklich in sich. Auch ich habe kräftig Federn gelassen, gleichzeitig waren die damit einher gegangenen Ent-Täuschungen wichtig, wertvoll und heilsam.

 

Jetzt, nachdem die ersten dicken Wellen über mich drüber sind und ich in meinem neuen Singleleben mehr und mehr ankomme, blicke ich zurück auf die letzten Wochen und Monate. Und frage mich, was habe ich übersehen? Wie konnte das alles zwar vor meinen Augen und doch hinter meinem Rücken passieren?

 

Wenn das Leben rüttelt …

 

… haben wir zumeist den Eindruck, dass es plötzlich und unerwartet passiert. Eine Nachricht, ein Telefonat, ein „zufälliges“ Treffen und schon passt kein Stein mehr auf den anderen. Plötzlich und scheinbar unerwartet müssen wir handeln, neu denken, anders denken, uns mit Dingen auseinander setzen, die … Ja, die wir gerne noch eine Weile übersehen hätten, jetzt aber nicht mehr übersehen können.Chuck Spezzano hat in seinem März-Newsletter dazu folgendes geschrieben:

 

„Der März ist ein heftiger Monat, ein Monat der Veränderung. In diesem Monat geht es darum, unsere Anhaftungen loszulassen. Das Lösen der Verhaftungen erkennst du am Schmerz oder an der Verunsicherung, die damit einhergehen. Wenn es Verhaftungen gibt, die dich zurückhalten, besteht die Möglichkeit, dass die scherende Energie des Monats März diese Verhaftungen „abrasiert“, und das wird nicht nett sein. Wenn du die Verhaftungen loslässt, wird die Freigabe sanft erfolgen. Wenn du jedoch Widerstand leistest oder festhältst, womit du verhaftet bist, wird es dir möglicherweise plötzlich und schmerzhaft entrissen.“

 

(ein Newsletter den ich Euch sehr an Herz lege zu abonnieren unter http://www.chuckspezzano.de/) Und gleichzeitig tauchen sie auf: all die Erinnerungen an die kleinen und immer größer gewordenen Warnungen und Anzeichen, dass etwas nicht mehr stimmt. Nur haben wir, aus welchen Gründen auch immer, sie nicht gesehen, sie nicht ernst (genug) genommen. Logisch, hinterher ist man immer schlauer. Und das ist auch gut so, denn von diesem schlaueren Platz kann man zurückschauen – und lernen.

 

Vom Sehen und (doch) Nicht-Sehen

 

Kleine Warnzeichen sind vor allem eines: klein. Und so erleben wir sie eher wie Steinchen im Schuh, halt nervig, ein wenig störend und schnell vergessen, wenn sie im Schuh an eine Stelle gerutscht sind, wo wir sie nicht mehr merken. Erst wenn es wieder zwickt, erinnern wir uns. Dass wir sollten … Auf der einen Seite ist das durchweg ökologisch und sinnvoll. Denn nicht gleich aus jeder Mücke einen Elefanten zu machen, bewahrt einen davor, für nichts und wider nichts wertvolle Energie zu verschwenden. Nur kann alleine das Wissen um dieses blöde Steinchen zum Energiestaubsauger werden. Aber auch hier gilt: man gewöhnt sich an alles. Und so gewöhnen wir uns an das Steinchen im Schuh und leben damit. Manche bis dass der Tod uns scheidet.

 

Nur warum fällt es uns scheinbar leichter mit diesem Steinchen im Schuh zu leben anstatt inne zu halten, den Schuh auszuziehen und den kleinen Quälgeist rauszuschütteln? Was ist es, das unseren eigenen Schmerz, unsere eigenen Bedürfnisse weniger wichtig sein lässt, als die unangenehme Gewohnheit?

 

Es gibt nur den Einen / nur die Eine

 

Ein kleiner Ausflug in die Bindungsforschung bringt erstaunliches zutage: Als Mini-Mensch gibt es nur einen Menschen, der uns unsere Bedürfnisse befriedigt. Und das war (zumeist) die Mutter. Wir lernten in dieser frühen Zeit: was ich brauche, kann ich nur von einem Menschen bekommen. Dass es da draußen noch ganz viele nette Menschen gab, die Windeln wechseln und Fläschchen wärmen können, wussten wir so auf dem Rücken liegend ja noch nicht. Und ein bisschen von dieser frühen Erfahrung schwingt in uns noch heute mit. Wir sehen einen Menschen und fühlen uns wie magisch angezogen. Wir sehen nur noch den Einen / die Eine und selbst wenn bei den Freunden die Alarmglocken läuten, man selber „weiß“, er oder sie ist perfekt.

 

Würden wir uns fragen, was genau das ist, dass uns so magisch anzieht oder irgendwann einmal magisch angezogen hat, würden wir uns viele Ent-Täuschungen in unseren Beziehungen ersparen. Denn häufig basiert diese Magie auf dem Gefühl ENDLICH gesehen … gehört … verstanden … akzeptiert … berührt … unterstützt … zu werden. ENDLICH das zu bekommen, was wir damals von diesem ersten einen Menschen nicht bekommen haben und so gerne bekommen hätten. Und da wir ja „wissen“, dass wir „es“ nur von einem Menschen bekommen können, halten wir diesen Menschen jetzt fest. Koste es was es wolle.

 

Nur ist das unfair, sich selber gegenüber, aber auch dem anderen gegenüber. Und so sind Ent-Täuschungen vorprogrammiert.

 

Wie aus einem alten Gefühl von Mangel, (gemeinsames) Wachstum werden kann

 

Solltest du in einer Partnerschaft leben, wäre es doch mal ein interessantes Gesprächsthema den anderen zu fragen, in was er oder sie sich (damals) verliebt hat. Was er oder sie in dir gesehen hat, wahrgenommen hat und welchen Einfluss das auf deinen Partner hatte und vielleicht noch heute hat. Und wie es bei dir war und noch ist. Als Single kannst du dir einen Expartner vorstellen, der dir ziemlich unter die Haut gegangen ist und dich fragen, was es war, dass dich so berührt hat.

 

Frag dich, welches tiefe Bedürfnis wurde und wird berührt. Was ist es, was dein Partner für dich auf dieser Ebene tut. Beobachtet, wie es sich anfühlt, darüber zu sprechen. Als die Erwachsenen, die ihr heute seit. Wie ist es, so ehrlich miteinander zu sein.

 

Dieses tiefe Bedürfnis zu benennen, verändert etwas. Denn dann liegen die Karten auf dem Tisch und zumeist unbewusste Beziehungsdynamiken können gemeinsam erkundet und besprochen werden. Indem jeder die Verantwortung für seinen alten Mangel übernimmt, bekommt der andere die Wahl, ob er weiterhin der Alte-Mangel/Bedürfnis-Befriediger sein will oder eben nicht. So kann etwas Neues entstehen und gemeinsames Wachstum ist möglich.

 

Und indem ich die Verantwortung für meinen alten Mangel übernehme, werde ich frei. Frei, auch das Ungute in der Beziehung zu sehen. Ich muss nicht mehr aus Angst das eine Gute zu verlieren, weiterhin mit Steinchen im Schuh rumlaufen.

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