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Kopf hoch … Halt Dich gerade: Wie Sie diese einst ungeliebten Ermahnung heute für sich nutzen können

Jan 25, 2017 | Dies & Das, Kontakt

Den Spruch „Kopf hoch!“ kennen Sie sicherlich eher als hilflose Auf- oder Ermunterung in schwierigen Zeiten. „Halt Dich gerade!“ hat der ein oder andere zu seinem Leidwesen sehr wahrscheinlich mehr als einmal von den Eltern zu hören bekommen. Und so lösen beide Sätze in uns eher Widerstand und das Befolgen einen Seufzer aus. Was schade ist, denn eine gerade, aufgerichtete Wirbelsäule kann deutlich mehr als nur gut aussehen und Rückenschmerzen vermeiden.

Dass das Rückenmark eine der Datenautobahnen im Körper ist, weiß jeder. Und welche teilweise lebenslangen Konsequenzen eine Verletzung dieser Datenautobahn haben kann, weiß auch jeder. Und das nicht erst seit dem Unfall des Superman-Darstellers Christopher Reeve oder von Samuel Koch bei „Wetten, dass…?“ Was viele aber (noch) nicht wissen ist, welche Auswirkungen bereits eine so kleine Unterbrechung wie z. B. ein leicht schief gelegter Kopf auf unsere Wahrnehmung und Informationsverarbeitung hat.

Wie ein Knick im Gartenschlauch

Erinnern Sie sich noch an den Kinderstreich mit dem heimlichen Knick im Gartenschlauch? Und den Spaß, wenn der andere erst verdutzt in die müde tropfende Öffnung guckt, um Sekunden später klatschnass Jagd auf den wahren Übeltäter der Wasserarmut zu machen? Dann stellen Sie sich jetzt Ihr Rückenmark vor wie diesen Gartenschlauch durch den Wasser fließt. Auch bei unserer interne Datenautobahn hat jeder Knick Einfluss auf die Menge, die durchfließt und hinten bzw. oben im Gehirn raus kommt – oder eben nicht.

Barack Obama tut’s. Charlène von Monaco tut’s auch.

Beobachten Sie Barack Obama mal bei seiner nächsten Rede, wenn er über ein emotional schwieriges Thema redet. Denn dabei schiebt er das Kinn leicht nach vorne und Charlène von Monaco hält ihren Kopf fast immer leicht schräg, wenn das Blitzlichtgewitter los geht. Was gerade bei Frauen gerne als kokett bezeichnet wird, ist im Ursprung ein Selbstregulierungstrick, den Mutter Natur uns mit auf den Weg gegeben hat. Und der ist so hinderlich wie genial.

Hinderlich, weil dieser Knick zumeist unbewusst passiert und man sich dadurch selber von einer Vielzahl an Informationen abschneidet. Genial, weil man schließlich nicht jedes Mal weglaufen kann, wenn eine Situation einem zu viel wird. Ein leichter Knick im „Gartenschlauch“ genügt und schon wird die Situation als nicht mehr ganz so überwältigend erlebt.

Wie funktioniert das?

Unser gesamter Körper sammelt permanent Informationen über alles mögliche im Innen und Außen. All diese Informationen werden ebenfalls permanent von unserem Gehirn be- und verarbeitet. Nur bekommen wir davon nicht immer bewusst etwas mit. Was unser Magen- und Darmtrakt z. B. gerade mit der letzten Mahlzeit macht, findet eher im Verborgenen statt. Genauso wie viele andere Körperfunktionen. Läuft hier alles wie am Schnürchen, fühlen wir uns gut und entspannt, die Muskeln sind locker und die Atmung kann fließen.

Klingelt dann z. B. das Telefon und das Gehörte versetzt uns in Alarmbereitschaft, ist Schluss mit der inneren Gemütlichkeit. Zu all den Informationen die unser Körper ans Gehirn sendet, kommen jetzt noch Informationen vom Gehirn an den Körper, die als Reaktion wieder Informationen ans Gehirn senden usw. Am Bild des Gartenschlauchs verdeutlicht: Der Druck im Schlauch steigt, das Ventil hält dem nicht Stand und rutscht ab und das ungehindert ausströmende Wasser überflutet das Rosenbeet. Die einzige Chance: schnell einen Knick in den Schlauch machen bis man den Wasserhahn zugedreht hat oder das Ventil wieder auf den Schlauch gefummelt hat, um eine Überflutung zu verhindern.

Wie können Sie diesen Trick bewusst für sich nutzen?

Beobachten Sie im ersten Schritt die Menschen in Ihrer Umgebung in der nächsten Zeit, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wer warum wann wo und wie einen Knick in seine interne Datenautobahn macht. Was war kurz vorher? Was ist Ihnen aufgefallen? Und wie lange dauert es, bis Ihr Gegenüber sich wieder gerade richtet? Schulen Sie so Ihre Wahrnehmung. Sie werden überrascht sein, wie oft scheinbar entspannte, souveräne Menschen diese Form der Selbstregulierung (zumeist unbewusst und unwissend) anwenden.

Da Sie jetzt wissen, dass Ihr Gegenüber in solchen Momenten versucht mit einem zu viel an Informationen klar zu kommen, können Sie Ihr eigenes Tempo besser auf Ihr Gegenüber einstellen und bewusst den Fuß vom Gas nehmen. Richtet sich der andere wieder gerade, können Sie wieder Tempo machen. Verdreht er sich hingegen noch mehr und richtet sich sogar in Richtung Tür aus (= Fluchtimpulse) sollten Sie an Ihrer Strategie dringend etwas ändern.

Im zweiten Schritt schulen Sie Ihre Selbstwahrnehmung. Hierzu zwei kleine Übung zum Aufwärmen, die Sie vielleicht schon aus anderen Kontexten kennen:

  1. Stellen Sie sich entspannt hin ohne die Knie durchzudrücken. Spüren Sie, wie Ihre Wirbelsäule gut aufgerichtet ist und sich scheinbar wie von selber trägt. Richten Sie den Blick nach vorne und sagen Sie laut: „Ich kann das! Und ich will das!“ Nehmen Sie sich dann einen Moment Zeit, die Wirkung zu spüren.
  2. Kippen Sie jetzt das Becken leicht nach vorne, lassen Sie die Schultern hängen und neigen Sie den Kopf zu einer Seite. Sagen Sie jetzt wieder: „Ich kann das! Und ich will das!“ Nehmen Sie sich auch jetzt einen Moment Zeit, die Wirkung zu spüren.

Ich denke, es hat Sie nicht überrascht, dass die Aussage in der 2. Runde deutlich an Glaubwürdigkeit und Ausdruckskraft verloren hat.

Nutzen Sie diese Erfahrung und überprüfen Sie in den unterschiedlichsten Alltagssituationen wie gerade Ihre Wirbelsäule jeweils ist. Wenn Sie irgendwo einen Knick bemerken, richten Sie ihn bewusst gerade ohne sich dafür zu verurteilen (!) – und beobachten Sie, welche Auswirkungen diese Veränderung hat. Genauso können Sie bewusst einen Knick machen und auch hier beobachten, was sich dadurch verändert. Und zwar nicht allein bei Ihnen, sondern auch bei Ihrem Gegenüber. Denn auch wenn Ihr Gegenüber diesen Selbstregulierungstrick nicht bewusst kennt, unbewusst wird er auf Sie reagieren.

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