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Wartesaal der verpassten Möglichkeiten

Sep 4, 2017 | Autonomie, Gehirngerecht leben

Stellen Sie sich vor, alle Ihre bisher im Leben – aus welchen Gründen auch immer – verpassten Möglichkeiten würden in einem Wartesaal auf ihre 2. Chance warten. Und mit diesem Newsletter erhalten Sie den Schlüssel zu diesem Wartesaal.

Was passiert, wenn Sie das lesen? Was passiert in Ihren Gedanken, was in Ihrem Körper und wenn Emotionen auftauchen, welche sind das? Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und fühlen Sie nach. Stellen Sie sich in aller Ruhe vor, wie ich Ihnen den Schlüssel, Ihren Schlüssel gebe. Ist es ein großer, schwerer Schlüssel oder ist Ihr Schlüssel eher klein und unscheinbar? Aus welchem Material ist er? Ist er alt und verschnörkelt oder neu und passt nur in ein Sicherheitsschloss? Wie nehmen Sie ihn entgegen? Zaghaft und vorsichtig oder nach dem Motto „Her damit! MEINER!“? Bemerken Sie Ihre ersten spontanen Impulse, ohne sie zu bewerten. Einfach nur bemerken.

Und was passiert, wenn der Schlüssel in Ihrer Hand liegt? Was verändert sich und wie nehmen Sie  die Veränderung wahr?

Sie fragen sich jetzt vielleicht, warum ich Ihnen all diese Fragen stelle. Wenn Sie noch ein wenig Geduld haben, erkläre ich es Ihnen. Versprochen. Aber zunächst ist es wichtig, dass Sie sich jetzt die Zeit nehmen und sehr bewusst mitbekommen, was da in Ihrem Körper und in Ihrem Kopf so alles vor sich geht. Zum einen, weil wir Alltag davon kaum etwas mitbekommen. Zum anderen, weil das, was da jetzt so alles in Ihnen passiert, Teil eines alten Musters ist. Und mit zu diesem Muster gehört, dass es überhaupt so einen Wartesaal der verpassten Möglichkeiten in Ihrem Leben gibt.

Mögliche erste Impulse

Neurobiologisch gibt es 3 Impulse, die uns in jeder Situation zur Verfügung stehen:

  • nach vorne
  • nach hinten
  • stehen bleiben

Und diese Impulse kann man mit 2 Motivationen ausführen: Neugier oder Angst.

Ich kann neugierig auf etwas zugehen oder ich kann aus Angst angreifen.
Ich kann mir das Neue, Fremde, Ungewohnte aus etwas mehr Distanz neugierig und in aller Ruhe anschauen oder ich kann mein Heil in der Flucht suchen.
Ich kann stehen bleiben und (ab-)warten oder ich kann vor Schreck erstarren und zu keiner Bewegung mehr in der Lage sein.

Welches war Ihr erster Impuls, als ich Ihnen Ihren Schlüssel hingehalten habe?

Mögliche zweite Impulse

Die ersten 3 Impulse sind in uns wie Reflexe angelegt. Sie passieren teilweise so schnell, dass wir keine Chance haben, gegenzusteuern. Wir haben die Luft angehalten, die Augen weit aufgerissen oder die Hand weggezogen, bevor unser Verstand gegensteuern und uns cool, souverän oder was auch immer wir meinen was angemessener ist, wirken lassen kann.

Ist diese erste Reaktionswelle durch, schaltet sich der Verstand (= Neokortex) ein – und ab jetzt wird es kompliziert. Denn der Neokortex überflutet das gerade Erlebte mit Erinnerungen, Wertungen, Glaubenssätzen etc. Also all dem Kram, wegen dem man sich so richtig schön mies fühlen kann.

Es kann also sein, dass Sie im ersten Impuls neugierig Ihren Schlüssel gegriffen haben. Und im zweiten Impuls mit sich innerlich wegen all der verpassten Möglichkeiten geschimpft haben. Es kann auch sein, dass da ein kurzer Moment der Neugier war, der aber prompt von einem Gefühl der Resignation überlagert und im Keim erstickt wurde. Oder da war ein kleiner Anflug von Ärger, vielleicht gegen mich gerichtet, weil ich Ihnen unterstelle, in Ihrem Leben gäbe es so viele verpasste Möglichkeiten, dass sie einen ganzen Wartesaal füllen. Und manchmal passiert augenscheinlich auch gar nichts. Dann schützt uns der Neokortex vor … was auch immer. Vielleicht wartet eine besondere schmerzliche verpasste Möglichkeit hinter der Tür und es ist besser, dass sie im Wartesaal bleibt. Oder Sie haben einmal eine Möglichkeit am Schopf gegriffen und eine ziemliche Bauchlandung erlebt.

Welches war Ihr zweiter Impuls?

Öffnen Sie die Tür?

Sie halten nun Ihren Schlüssel in der Hand. Was machen Sie nun damit? Öffnen Sie die Tür? Legen Sie ihn erst einmal zur Seite und warten auf eine günstige(re) Gelegenheit?

Auch hier lade ich Sie wieder ein, bewusst in sich hineinzuhorchen. Ohne (Be-)Wertung und ohne sich selber unter Druck zu setzen.

Gibt es vielleicht eine verpasste Gelegenheit, nach der Sie als erstes Ausschau halten werden? Um dann was mit ihr zu tun? Sie jetzt gleich umsetzen? Oder sie erst mit all Ihrem heutigen Wissen und all Ihrer heutigen Erfahrung in aller Ruhe unter die Lupe zu nehmen?

Hinterher ist man immer schlauer

Diese alte Weisheit gilt auch hier. Denn dass die damalige Möglichkeit einmal im Wartesaal der verpassten Möglichkeiten landen würde, konnten Sie damals noch nicht wissen. Damals haben Sie sich für etwas anderes entschieden, vor dem Hintergrund der Ihnen damals zur Verfügung stehenden Informationen. Also war es damals die für Sie richtige Entscheidung.

Und hier kommt das oben erwähnte alte Muster ins Spiel. Schauen wir auf Möglichkeiten, die uns das Leben bietet, eher ängstlich vorsichtig, kann es im Wartesaal recht schnell recht eng werden. Schauen wir neugierig auf das, was das Leben uns (an-)bietet, wägen ab und entscheiden uns aus vollem Herzen, bleibt der Wartesaal leer. Denn dann haben wir keine Möglichkeit verpasst, sondern uns für das Bessere entschieden.

Wenn Sie also den Wartesaale Ihrer angeblich verpassten Möglichkeiten heute betreten, schauen Sie sich um, als wenn Sie liebe alte Bekannte wiedersehen würden. Und nicht als ob Sie auf der Anklagebank säßen und sich rechtfertigen müssten. Und wer weiß, vielleicht ist ja die eine oder andere Möglichkeit heute aktueller den je. Vielleicht brauchte sie und vielleicht brauchten Sie die Zeit.

Für mich hat das Bild vom Wartesaal der verpassten Möglichkeiten etwas beruhigendes. Denn dann sind die Möglichkeiten ja nicht wirklich verpasst, sie warten nur.

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